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Streik bei Gate Gourmet dauert an

Submitted by webmaster on Monday, 23 September 2013No Comment

Samstag Nacht, 14. September um halb vier Uhr morgens. Die erste Angestellte der Cateringfirma Gate Gourmet Genève, die an ihrem Arbeitsort ankommt wird von zwei Dutzend VPOD-FunktionärInnen begrüsst. Weitere NachtschichtarbeiterInnen folgen, übernächtigt, mit noch sehr verschlafenen Augen – aber im Klaren darüber, was an sechs Angestelltenversammlungen am Vortag beschlossen wurde: Der Streik.

Denn der Konzern, dessen Profite seit drei Jahren ununterbrochen am Wachsen sind – u. a. mit der Massenproduktion von Bordmahlzeiten -, hat beschlossen seinen Mitarbeitenden am Flughafen Cointrin (GE) auf Ende Jahr zu kündigen. Eine Neueinstellung soll es nur unter schlechteren Bedingungen geben. Neue Einzelverträge sollen her. Das Personal muss wählen: Entweder Lohnkürzungen zwischen 11 und 637 Franken pro Monat sowie ein späteres Rentenalter, die Kürzung um einen Drittel der Entschädigung für unregelmässige Arbeit und die Abschaffung des Überstundenzuschlags zu akzeptieren, oder auf der Strasse zu stehen!

So haben 70% der 86 Angestellten einen Kündigungsbrief auf Ende Jahr erhalten. Bei Gate Gourmet heisst es nicht mehr: “Schlechtere Bedingungen oder die Kündigung”, sondern “Kündigung – dann gegebenenfalls Wiedereinstellung zu Bedingungen, die wir diktieren”!

Das Personal will sich gegen den Angriff der Firmenleitung wehren, muss aber gegen eine grosse Angst ankämpfen. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes bereitet selbst den Entschlossensten Mühe. Denn die Bosse von Gate Gourmet haben einen Vorteil. Dank der grossen Arbeitslosigkeit, die momentan herrscht, haben sie ein mächtiges Druckmittel in der Hand und sie nutzen es aus.

Die Handlanger von Gate Gourmet – ein Trupp von Vorarbeitern und Aufsehern – war neben den Leuten des VPOD am Samstagfrüh auch vor Ort. Sie redeten auf die ankommenden Personen ein: Entweder kapitulierst du oder du bist arbeitslos. Eine klare Botschaft, die auf einen Grossteil von Temporär- und PrekärarbeiterInnen, die für Gate Gourmet arbeiten – eine besonders erpressbare Schicht von Lohnabhängigen -, nicht ohne Wirkung blieb. Gate Gourmet hat denn auch auf TemporärarbeiterInnen – Arbeitslose zwischen zwei Jobs – zurückgegriffen, um die Streikenden zu ersetzen. Einige dieser temporären StreikbrechrInnen erfüllen nicht einmal die Sicherheitsvoraussetzungen für den Zugang zur Flughafenpiste.

Kündigungsdrohung, Einsatz von PrekärarbeiterInnen, Individualisierung der Verträge: Der Streik bei Gate Gourmet Genf ist ein typischer Arbeitskampf des 21. Jahrhunderts. Er braucht unsere Unterstützung!

Paolo Gilardi. L’Anticapitaliste, 20.09.2013

Solidaritätskundgebung für die Streikenden von Gate Gourmet
Mittwoch, 25. September, 18 Uhr
Place du Molard, Genf

Infos: Streik bei Gate Gourmet Genève http://www.vpod.ch/aktuell/nachrichten/ansicht/article/-4b304948e8.html?tx_ttnews[backPid]=34&cHash=567e500997f2357af86b1da62098c7b1, Dossier grève à Gate Gourmet Genève http://www.sspta.ch/documents/accueil.php

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